Tag 2

14. Oktober 2009

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Nairobi: Stadt der Gegensätze

Villen, Wolkenkratzer und Bretterbuden

Kenias Hauptstadt Nairobi ist berüchtigt für ihre hohe Kriminalitätsrate. Trotzdem ist es möglich, die Stadt zu erkunden - total sicher. Taxis bringen die Touristen zu den Sehenswürdigkeiten in den Vororten. Die Innenstadt kann man zu Fuss besichtigen.
„Don’t go beyond Moi Avenue. Don’t talk to strangers“, gibt uns der Hotel-Congierge auf dem Weg, als wir zum Rundgang durchs Stadtzentrum aufbrechen. Es gäbe viel Kriminalität in der Grossstadt Nairobi. 3 Mio. Menschen leben hier offiziell – inoffiziell ist es bis zu eine Million mehr. Kenias Hauptstadt wächst schnell: In nur 110 Jahren hat sie ihr heutiges Ausmass erreicht und ist zur grössten und wichtigsten Stadt Ostafrikas aufgestiegen. Und Nairobi wächst weiter: Laut Prognosen werden im Jahr 2015 5 Mio. Menschen hier leben.
Nur eine Minderheit von Nairobis Einwohnern lebt in den Villen mit Stacheldraht-umrahmten Gärten in den Vororten Langata und Karen. Letzterer sei nach „Out of Africa“-Autorin Karen Blixen benannt, heisst es. Hier im Vorort Karen befindet sich die Farm, auf der die dänische Schriftstellerin lebte. In der Nähe gibt es ein hübsches kleines Restaurant mit leckeren Spezialitäten und üppig bewachsener Gartenterrasse. „Talisman“ heisst es, und zu finden ist es gegenüber des Karen Shopping Centers.
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Talisman Restaurant
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Lektion 2

mji - Stadt
mji mkuu - Hauptstadt
nyumba - Haus
mtaa - Stadtteil
mabanda - Hütten
mtaa wa mabanda - Slum
mgahawa - Restaurant
boma - Siedlung
Lässt man die Villen von Karen und Langata hinter sich und fährt auf der Langata Road Richtung Stadtzentrum, blickt man aber wenig später linkerhand auf ein endloses Dach aus Wellblech, Brettern und Plastik: der Kibera-Slum. Die meisten Einwohner Nairobis wohnen in solchen Slumgebieten wie Kibera. Wie die Kenianer früher gewohnt haben, wie manche noch heute auf dem Land draussen leben, kann man sich bei „Bomas of Kenya“ anschauen. Eine Art kenianischer Ballenberg, ein Freilichtmuseum, in dem man die traditionellen Siedlungen verschiedener kenianischer Völker anschauen kann. Es sind meist kleine Siedlungen für Grossfamilien, aus Lehmhütten, mit Einzäunungen für das Vieh. Einzelne Familienmitglieder oder Gruppen hatten ihre eigenen Hütten – so gibt es in der Regel eine Hütte für den Ehemann, eine für seine 1. Frau, eine für die 2. Frau und eventuell eine für die 3. Frau.
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Bomas of Kenya
Als wir weiter stadteinwärts fahren, kommen wir dem Eingang in den Kibera-Slum näher. Unser Taxi-Fahrer verriegelt die Autotüren. Neben der Strasse gehen Hunderte Richtung Slum-Zugang. Es ist Feierabend. Die Frauen und Männer sind sauber gekleidet, viele in Anzügen, auf dem Heimweg von der Arbeit. Trotz Job können sie sich keine Wohnung ausserhalb des Slums leisten. Auch für den Bus wollen oder können sie nicht zahlen. So gehen sie alle zu Fuss.
Wir fahren an einer Tankstelle vorbei. Hier steht geschrieben, dass es Kerosin zu kaufen gebe. Wozu bloss? Der Taxifahrer erklärt uns, dass sich die ärmeren Leute weder Elektrisch noch Gasofen leisten könnten. Stattdessen kochen sie auf Kerosin-Brennern. Das ist nicht ganz ungefährlich. Die Tageszeitung „The Standard“ hat vor ein paar Tagen von einem Grossbrand im Kibera-Slum berichtet, versursacht durch eine unbeobachtete Feuerstelle. 200 Familien hätten ihr Dach über dem Kopf verloren. Wenn es im Slum einmal brenne, erklärt unser Taxifahrer, breite sich das Feuer schnell auf die umliegenden Hütten aus und sei kaum mehr zu löschen. Die Behausungen stehen so dicht beisammen, dass sich das Feuer schnell ausbreite und kaum mehr zu löschen sei. Die Feuerwehr käme da eh nicht durch. Das einzige Mittel um den Brand zu stoppen sei es, um den Brandherd herum die Hütten abzureisen, damit das Feuer keine weitere Nahrung findet und sich nicht weiter ausbreiten kann.

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Grossraum Nairobi
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Nairobi Stadtzentrum
Nairobi ist eine Stadt der Gegensätze. Unweit der Bretter-und-Wellblech-Buden des Kibera Slums ragen im Stadtzentrum moderne Hochhäuser aus Beton, Stahl und Glas in den Himmel. Die starken Kontraste zwischen denen, die viel haben und denen, die nichts haben, führen zu sozialen Spannungen und einer hohen Kriminalitätsrate.
Zu spüren bekommen haben wir das während unseres Aufenthalts aber nicht. Wir haben uns auch an die Empfehlungen gehalten: Nach Einbruch der Dunkelheit soll man auch für kurze Strecken ein Taxi nehmen. Tagsüber gelten aber einige Gebiete als sicher und können auch von Touristen zu Fuss erkundet werden. So zum Beispiel das Stadtzentrum. Wir machen uns auf, vom Hotel aus den City Hall Way hinunter. Kurz vor wir in die Moi Avenue einbieten, haben wir plötzlich einen Schatten, der unaufhörlich unverständliches Zeug brabbelt. Ignorieren. Er hat Ausdauer, watschelt hinter und neben uns her und schwafelt immer weiter. Los werden wir ihn erst, als wir in ein Geschäft hereingehen. Wir fallen hier in der Innenstadt auf wie ein bunter Hund. Weit und breit ist ausser uns niemand mit so heller europäischer Hautfarbe.

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Nairobi - das Stadtzentrum
Wir folgen der Moi Avenue nördlich bis zu den Jevanjee Gardens, einem staubigen Stück Land mit einzelnen trockenen Pflanzen und ein paar Statuen. Auf den wenigen Steinbänken und auf dem staubigen Boden mit einzelnen Grashalmen, was man mit etwas Fantasie als „Rasen“ bezeichnen könnte, sitzen und liegen Leute. Die einen schlafen, andere hören einem Prediger zu, der unentwegt von Luzifer schwafelt. Vis-à-vis der Parkanlage finden wir ein Pizza-Hut-ähnliches lokales Fastfood-Lokal. Eine Pizza für zwei und zwei Fläschli Cola kosten umgerechnet etwa 7 Euro. Für die meisten hier wohl zu teuer – das Lokal ist nur spärlich besetzt mit Menschen, die scheinbar aus den besser gestellten Gesellschaftsschichten der Stadt stammen.
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Nairobi Jevanjee Gardens
Wir gehen weiter, die Muindi Mbinga Street runter bis zur Kenyatta Avenue. An der mehrspurigen Strasse ist die Luftqualität so schlecht, dass man kaum atmen kann. Bevor wir ins Hotel zurückkehren, wollen wir in einem kleinen Supermarkt Duschgel kaufen. Das Vorhaben scheitert daran, dass man an der Kasse feststellt, dass das Duschgel nicht im Computersystem erfasst ist und sie uns das Ding deshalb nicht verkaufen können. Solche auf den technischen Fortschritt zurückzuführende Hindernisse haben auch Afrika erreicht.