Tag 4

20. August 2011

Tropensturm Harvey

Von Lamanai durch heftige Regenfälle nach San Ignacio

Auf dem Weg von Lamanai nach San Ignacio besuchen wir ein Brüllaffen-Schutzgebiet. Dann müssen wir Gas geben, denn Tropensturm Harvey ist uns auf den Fersen. Er bringt zum Glück nur heftige Regenfälle - ein Hurrikan, wie viele Einwohner befürchtet haben, bleibt aus.
Was gestern geklappt hat, versuchen wir heute gleich nochmals: früh aufstehen. Um 5:30 starten wir mit Guide Mauricio zum „Jungle Dawn Walk“. Eigentlich sollte man dabei erleben können, wie der Dschungel erwacht. Stattdessen erleben wir, wie schnell das Wetter im Dschungel umschlagen kann. Es regnet schon seit dem frühen Morgen nach dem Prinzip An-Aus-An-Aus. Und wenn es regnet, dann nicht nur ein paar Tröpfli, sondern gleich richtig. In einer Aus-Phase brechen wir auf mit dem Ziel, so viel wie möglich zu sehen zu bekommen, bevor die nächste An-Phase startet.
Wir laufen zügig bis zu den Ruinen der spanischen Kirchen. Durch das Fernroh, das Mauricio mitschleppt, beobachten wir einen unter anderem einen Specht mit grosser roter Haube. Mauricio erklärt uns, wie die beiden Kirchen aussahen, welche die Spanier hier gebaut hatten, um die Maya zum Christentum zu bekehren. Und er erzählt, dass man vor dem Eingang der Kirchen Tonfiguren der Maya gefunden hatte – vermutlich Maya-Zauberei, die sich gegen die Missionare gerichtet hat.
Es geht weiter auf schmaleren Dschungelpfaden. Etwa 200 Meter vor uns sitzt ein Agouti, ein mittelgrosser Nager, auf dem Weg. Und dann stehen wir plötzlich vor den Überresten einer Zuckerrohr-Mühle. Die Briten hatten vor über 100 Jahren versucht, hier Zuckerrohr anzubauen und zu verarbeiten. Erfolglos. 1875 haben sie die Mühle verlassen - und der Urwald hat sie sofort übernommen. Auf den Mauern sind schon stattliche Bäume gewachsen.
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Jungle Dawn Walk (Alle Fotos)

Bis hierhin hatten wir Glück mit dem heute wechselhaften Wetter. Aber nun wird der Himmel immer dunkler. Aus der Ferne Donnergrollen. Wir laufen zügig zur Bootstation der Ruinenstadt, wo ein Schnellboot schon auf uns wartet. Zügig geht’s zurück am Ufer der New River Lagoon entlang in die Lodge. Seit gestern munkelt man, dass ein Unwetter im Anzug sei. Die Einheimschen blicken kritisch zum Himmel. Vor der Küste hat sich ein Tropensturm gebildet, der bald aufs Land treffen soll.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Zuerst gut 40 Kilometer auf der Schotterpiste zurück auf den Highway, dann weiter Richtung Süden. Das Wetter ist unberechenbar, hält sich aber besser als gehofft. Deshalb beschliessen wir, einen Stopp beim Community Baboon Sanctuary in Bermudian Landing einzulegen. Hier soll man die Brüllaffen nicht nur hören, sondern auch sehen können. Leider treffen wir beim Büro des Sanctuarys vorerst weder Brüllaffen noch Menschen. Alles ist geschlossen. Ausser uns natürlich wieder kein Tourist weit und breit. Immerhin begrüssen und zwei übermütige Hunde.
Dann kommt doch noch jemand ums Haus geschlichen, ein Typ, mit Namen Robert oder so ähnlich. Er spricht ein ganz eigenwilliges Englisch, ist kaum zu verstehen. Für 7 US-Dollar pro Person will er uns auf einen Walk mitnehmen und die Affen zeigen. Wenn sie denn da seinen. Garantieren könne er nichts – zumal ein Sturm angekündigt sei, und die Affen würden sich dann jeweils in Sicherheit bringen. Wir folgen dem Typen durch ein schmales Stückchen Urwald, das sich zwischen Dorf und Feldern erhalten hat. Robert erzählt mal was zu Termiten, dann über Blattschneider-Ameisen, und brüllt dazwischen in die Bäume rauf.
Dann geht Robert vor, die Affen suchen. Wir sollen auf ihn warten. Glückselig grinsend kehrt er zurück: Er habe sie gefunden. Wir folgen ihm quer durch den Garten von irgendeinem Bewohner von Bermudian Landing. Tatsächlich: Hoch oben im Baum sitzt ein Trupp Brüllaffen. Wir erfahren noch, dass das Alpha-Männchen weisse Hoden hat (tatsächlich!), und dann geht Robert in den 3-Themen-Modus: Er erklärt, dass er nie garantieren können, die Affen zu finden (Thema Nummer 1), und dass wir jetzt aber riesiges Glück hätten, die bei dem Wetter zu sehen (Thema Nummer 2) direkt angeküpft an den Hinweis, dass wir gerne eine „Contribution“ machen dürfen (Ja, wir haben es kapiert: Er kriegt sein Trinkgeld). Thema Nummer 3 hatten irgendwas damit zu tun, dass die Natur ihre eigenen Wege geht. Und die 3 Themen wiederholten sich dann endlos auf dem Weg zurück zum Auto.
Robert kriegt sein Trinkgeld und wir fahren weiter Richtung San Ignacio, wo wir heute übernachten werden. Eigentlich wollen wir noch etwas Kleines zu Mittag essen, aber in den Dorfern ist fast alles geschlossen. Zudem macht das Wetter nicht gerade den vertrauenswürdigsten Eindruck. Es kommt ziemlich Wind auf. Der Tropensturm ist unterwegs. Im Radio berichten man von heftigen Windböen in den Küstenstädten Dangriga und Belize City. Wir sind froh, auf dem Weg ins Landesinnere zu sein.
Die Strassen sind immer leerer, die Stimmung am Horizont immer düsterer. Recht unheimlich. Dann setzt heftiger Regen ein. Es schüttet wie aus Eimern. Normalerweise ist so ein Regenfall nach wenigen Minuten vorbei. Der hier will und will aber nicht aufhören. Zum Glück gibt’s nur wenig Verkehr. Wir sind froh, als wir nach einer guten Stunde im Cahal Pech Village Resort in San Ignacio ankommen. Der Regen lässt bald nach. Die lokalen TV-Stationen berichten fast pausenlos, heisst nur unterbrochen von Werbungen in denen Restaurants versprechen, man esse nirgends hygienischer als bei ihnen, vom Tropensturm. Dieser hört auf den Namen „Harvey“ ist ist zum Glück nicht zu einem Hurrikan ausgewachsen. Der Sturm ist landeseinwärts gezogen und dabei immer schwächer geworden. Zerstörungen gab es zum Glück kaum.
Das Schöne am tropischen Regen ist: Er kann noch so heftig sein, das Wasser, das vom Himmel fällt, ist angenehm warm. Weil es nicht gewittert, schwimmen wir eine Runde im Hotelpool – wie einige der anderen Gäste auch, denen der Sturm wohl einen Strich durchs Ausflugsprogramm gemacht hat.