Tag 2

18. August 2011

Von Mexiko nach Belize

6 Stunden Auto fahren - 1,5 Stunden Einreise- & Zollformalitäten

Heute fahren wir von Playa del Carmen in Mexico nach Lamanai in Belize. Das sind ca. 400 Kilometer auf geteerten und 40 Kilometer auf ungeteerten Strassen, und eine Grenzquerung, die es in sich hat. Positive Überraschungen tierischer Art erwarten uns im Dschungel von Lamanai, bei einem Nacht-Spaziergang im Schein der Taschenlampe.
Die Highway von Playa del Carmen Richtung Chetumal, dem Grenzort zu Belize, ist schnurrgerade. Die 300 Kilometer legen wir in genau 4 Stunden zurück. Und das trotz gelegentlichen tropischen Regenfällen, welche die Sicht auf wenige Meter reduzieren. Da geht's nur in stark reduziertem Tempo voran. Wenns aber gerade mal nicht schifft, erreichen wir gerne mal über 100 km/h. Um 13 Uhr kommen wir an der Grenze zu Belize an. Es regnet mal wieder, wie es nur in den Tropen regnen kann. Das Wasser, das vom Himmel fällt, ist zwar angenehm warm. Nass ist es trotzdem. Und das sind bald auch unsere Pässe, Taschen und wir selbst. Erst müssten wir aus Mexico ausreisen. Das gestaltet sich noch recht einfach, an einem Kiosk-ähnlichen Zollhäuschen kriegen wir Stempel im Tausch für 2 mal 20 US-Dollar.
Dann wird's erst richtig kompliziert, wir müssen nun nämlich mit Mietauto und Gepäck nach Belize einreisen. Dazu parkt man neben der Arrival Hall. Das Gepäck lässt man von einem "Porter" über den Kiesparkplatz in die Halle schleppen. Die Immigration, die Einreiseformalitäten, sind ja noch recht rasch erledigt. Dann kommt aber der Zoll, und der hast in sich. Unser Autovermieter hat uns für den Grenzübertritt die nötigen Papiere angefertigt, was den Prozess überhaupt erst möglich macht. Ich kümmere mich um das Gepäck, das im Zollhäuschen von einem Beamten durchwühlt wird. Pierre kümmert ums Mietauto. Eine Beamtin nimmt das Ding genau unter die Lupe und prüft die Seriennummer nicht nur an einer, sondern an zwei Stellen. Dann muss das Auto noch von allfälligen bösen Insekten befreit werden, mittels Sprühschaum. Kostenpunkt: 5 US-Dollar. Ob die Insekten wissen, dass sie nicht einreisen dürfen und sich auch brav beim Grenzübergang melden, wenn sie Grenze nach Belize passieren, ist nicht bekannt. Dann braucht das Auto noch eine neue, in Belize gültige Versicherung. Kostenpunkt: 30 US-Dollar. Das alles braucht Zeit - ich bin mit dem Gepäck längst in Belize, Pierre und das Mietauto sind noch im Niemandsland zwischen Belize und Mexico. Es schifft unterdessen wieder in Strömen, das Gepäck wird klitschnass. Ich stehe unter dem Vordach der Einreisehalle, zwischen einer Maya-Familie, die hier Süssigkeiten und Getränke verkauft und einem Mennoniten, einem Mitglied jener konservativen christlich-religiösen Gemeinde, von denen es hier in Belize einige gibt. Der Mann trägt einen typischen Strohhut, ein Hemd und blaue Hosenträger-Arbeiterhosen. Die Grenz-Kofferträger sind offenbar Kreolen. Das ist eben Multikulti-Belize.
Nach 1,5 Stunden ist der Grenzübertritt dann endlich geschafft und das Gepäck vollends durchnässt. Aber wir haben es geschafft: Wir sind in Belize! Es geht weiter auf dem Highway, der hier enger und weniger gut ausgebaut ist als in Mexico. Als Überraschung sind immer wieder unangekündigte Schwellen eingebaut. Ansonsten fährt es sich gut - man muss nur Rücksicht nehmen auf die anderen Verkehrsteilnehmer: Hunde, Ziegen, Hühner und gelegentlich ein Coati. Die glauben alle, sie hätten Vortritt - der Hund, welcher platt auf dem Asphalt liegt, weiss jetzt, das das nicht so ist. Es ist schon 14.30 Uhr und wir hatten noch nichts zum Mittag. Deshalb halten wir im Ort Corozal und besorgen uns in einem Lädeli Brote und Käse. Weiter geht es auf dem Highway, bis wir südlich von Orange Walk abbiegen Richtung Lamanai. Von hier aus fahren wir die letzten 40 Kilometer für den heutigen Tag auf einer Schotterpiste. Wir fahren durch die Mennoniten-Siedlung Shipyard. Hier lernen wir eine neue Art von Verkehrsteilnehmern kennen: Pferdewagen. Die konservativen Gemeindemitglieder benutzen nur mit diese unmotorisierten Verkehrsmitteln. Das hat einen Vorteil: Da ein Pferd keinen Führerschein verlangt, steuern bereits Kinder die Ross-Wagen.
Nach einer Stunde Schlagloch-Slalom kommen wir in der Lamanai Outpost Lodge an, einer Lodge mit Holzhäuschen-Zimmer, im Dschungel direkt an der New River Lagoon gelegen. Wir geniessen ein 3-gängiges, leckeres Abendessen. Im Radio trällert Britney Spears ihren Hit „Baby, one more time“, begleitet vom Zwitschern einiger Gekkos. Willkommen im Dschungel von Belize! Um 20 Uhr, es ist stockdunkel, machen wir uns mit Guide Ruben auf zu einem Night Walk. Im Schein der Taschenlampe erkunden wir den nächtlichen Dschungel. Das erste Highlight finden wir im Garten der Hotelanlage: ein Rotaugen-Baumfrosch. Viele Touristen, sagt Ruben, kämen nur für diesen Frosch her. Das Kerlchen hat Ruben gefundne, weil die Frösche zu dieser Zeit Paarungsrufe abgeben.
stacks_image_B98FEED4-9B10-4178-B43B-C1A083D0A4B7
stacks_image_5D2926A1-526D-46F2-9F49-9294E0670800
stacks_image_C092AD72-B4CC-400E-9566-C0383DEEA6DD

Night Walk im Dschungel um Lamanai (Alle Fotos)

Beobachtet von tausenden Augen – jede Spinne hat deren 9 – wandern wir der Dschungelstrasse entlang, bis wir zu den Ruinen einer Kirche gelangen, welche die Spanier vor den Eingang der Maya-Stadt Lamanai errichtet hatten, um die Maya zu bekehren. Letztere haben dem Bekehrungsversuch widerstanden und die Kirche zerstört. Auf den alten Mauerresten leben nun Skorpione. Man findet sie am besten mit UV-Licht – der Körper der Tiere fluoresziert gelb-grün. Unter normalem Licht sind sie schwarz. Auf dem Rückweg zur Lodge noch ein weiteres Highlight: Im dichten Unterholz leuchten uns zwei mittelgrosse, orange Augen entgegen: Vom Tier können wir zunächst wenig erkennen. Ruben hält es erst für ein Paca, einen Nager mit gepunktetem Fell. Dann bewegt es sich: „An Ocelot“, flüstert Ruben begeistert. Das Ozelo zieht sich weiter in den Dschungel zurück, beobachtet uns aber genauso interessiert wie wir es. Aber viel mehr als die leuchtenden Augen können wir auch jetzt nicht erkennen. Zurück im Hotelzimmer-Bungalow, ruft Pierre aus dem Badezimmer: "Kannst du dir das Tier hier mal anschauen?" In der Badewanne hat es sich ein kleiner Skorpion gemütlich gemacht. Wildlife bis ins Zimmer.
stacks_image_3E759DC4-4AB3-420E-B999-05C142E2599E
stacks_image_3AEA971F-08C4-4B28-B454-52C7DE379870
stacks_image_3CC6B1AD-27CE-45AD-870E-F8A7B3ED573E

Night Walk im Dschungel um Lamanai (Alle Fotos)